Historie

Der Marktflecken Oldisleben am Nordrand des Thüringer Beckens ist aus historischer Sicht gesehen ein besonderes rechtliches Unikum. Die Situation in Oldisleben vor 50 Jahren stellt sich in etwa wie folgt dar: Im Ort leben ca. 2500 Einwohner. Die Bewohner im arbeitsfähigen Alter pendeln zur Arbeit. Vorwiegend nach Sömmerda, Artern und Bad Frankenhausen oder sie finden im Ort ihre Beschäftigung in der Landwirtschaft (LPG, VEG, ZBO), in der Zuckerfabrik, einem Mühlbetrieb oder in einem Kies- und Betonwerk.
 

Der Ort verfügt über eine vergleichsweise günstige Infrastruktur (Arztpraxis, Zahnarztpraxis, Apotheke, Drogerie, Kino, Sparkasse, Verkaufseinrichtung verschiedener Branchen, Kindergarten, Zentralschule - die später Polytechnische Oberschule wird und mehrere Gasthäuser). Für Feriengäste des FDGB - Feriendienstes werden private Zimmer vermietet. Eine progressiv eingestellte Gemeindeverwaltung ist am Bau eines Schwimmbades zur weiteren Verbesserung der Infrastruktur im Ort sehr interessiert. Natürliche Gegebenheiten (Eiszeitlicher Geschiebelehm) begünstigen dieses Vorhaben. In einer Lehmgrube am Nordwestrand des Ortes wurde in historischer Zeit Lehm als Baustoff abgebaut. In dieser alten Lehmgrube sollte das Becken eines Schwimmbades eingerichtet werden. Ein versierter Fachmann, Leiter der ZBO, setze die Markierung für ein 50m x 25m großes Becken. In dieser Fläche wurden die künftigen Wassertiefen für Nichtschwimmer, Schwimmer und für ein Sprungbecken ausgehoben. Der Transport des Aushubes erfolgte mittels Kipploren auf Feldbahnschienen.

 

Der günstige Umstand, dass in der Bauzeit des Schwimmbades riesige Meliorationsmaßnahmen zur Regulierung des Flußlaufes der Unstrut zwischen Sachsenburg und Bretleben/Reinsdorf durchgeführt wurden, ermöglichte es den Oldislebener Bauherren, mit dem Meliorationsbetrieb Talsperrenbau Weimar zu verhandeln, die schwere Technik an den Wochenenden in Oldisleben einsetzen zu können. Übrigens wurde für die Beschäftigten des Meliorationsbetriebes in Oldisleben ein Wohnblock mit 24 Wohneinheiten eingerichtet. Terrassen und Böschungen wurden von den Fahrern auf den schweren Fahrzeugen in bester Qualität fachgerecht gestaltet. Findige Bürger konnten ein Projekt für ein ganz besonderes Becken ausfindig machen, denn die Baukosten für eine herkömmliche Wanne mit Stahlgeflecht unter Beton wären vergleichsweise höher ausgefallen, als das mit einer Spezialplastefolie ausgelegte Becken. Die Seitenwände wurden in einem Winkel von 60° abgeschrägt. Die Stirnseiten und der Rand des Troges wurden betoniert. Umfangreiche Erdbewegungen wurden notwendig, damit das Umfeld des Beckens besucherfreundlich werden konnte, u.a. Terrasse für Sitzbänke, Zugänge zur Liegewiese usw.

 

Um die Bodenerosion durch Regenwasser auf den vegetationslosen Böschungen zu vermeiden, wurden Rasensoden von Grasflächen unter Mithilfe freiwilliger Oldislebener Frauen, Männer und älterer Schüler zur Befestigung angelegt. Für den Bau des Eingangsgebäudes mit den Sanitäreinrichtungen und den Umkleideräumen zeigte sich die Zuckerfabrik mit ihren Fachhandwerkern verantwortlich. Eine ortsansässige Elektrofirma installierte die notwendigen Energieanschlüsse. Um den Wasserstand im Becken konstant zu halten, wurde eine PE-Leitung vom Quellbereich im Möllendorf bis zum Becken verlegt. Als Abwasserleitung vom Becken und dem Eingangsgebäude konnte eine noch intakte Rohrleitung aus der Zeit der Kaliförderung angezapft werden. Nach einer gründlichen Reinigung des Beckens, an der auch Schüler der POS maßgeblich beteiligt waren, wurde das Schwimmbad Oldisleben im Sommer unter großer Anteilnahme der Bevölkerung eröffnet. Der gesamte Komplex am Ortsrand wurde in fleißiger Arbeit in all den Jahren zu einem attraktiven Naherholungsgebiet gestaltet. Generationen von Schülern erlernten unter Anleitung engagierter Sportlehrerinnen und Sportlehrern das Schwimmen. Auch nach 50 Jahren ist dieses Kleinod noch immer ein beliebtes Ausflugsziel für viele Bürger aus nah und fern. Nicht unerwähnt sollten die Aktionen der Sportlerinnen des Volleyballverein Blau-Weiß Oldisleben bleiben, die hier eine Beachvolleyball-Anlage bauten und pflegten.